skip to content
Losung und Lehrtext für Donnerstag, 19. Oktober 2017:

HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.
Lebt verwurzelt und gegründet in Jesus Christus und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie hier

 

Besuchen Sie auch die Internetseite unserer Landeskirche

www.ekkw.de

Warten auf den Osterspaziergang

 

„Will denn der Winter gar nicht weichen?“, so fragen sich in diesen ersten Frühlingstagen nicht nur die Menschen in Borken. "Das geht einem allmählich wirklich aufs  Gemüt“ - so höre ich uns „Wintermüde“ immer häufiger sagen. Und beim Frühlingsfest Ende März hieß es oft: So ein Wetter wünscht man sich beim Weihnachtsmarkt: knackig kalt, trocken und Sonnenschein!

Wir alle warten auf den Frühling. Vom Datum her müsste er schon einige Tage da sein. Doch es tut sich einfach nichts. Und auch Ostern war es kalt und unangenehm.

Wir sehnen uns nach diesem „sonnenarmen“ Winter nach Licht und Luft, nach Wärme und Sonnenschein, nach bunten Farben, nach Blumen und aufblühender Natur, nach dem Ausruhen in der Sonne auf unserer Terrasse, vor einer Eisdiele oder in einem Biergarten.

Diese Sehnsucht nach der Wärme und der Lebendigkeit des Frühlings ist alt:

 

 „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche.

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick

Im Tale grünet Hoffnungsglück;

der alte Winter, in seiner Schwäche,

zog sich in raue Berge zurück.“

 

So beginnt Goethes Osterspaziergang aus dem Faust. Und wir fühlen uns gut verstanden, wenn es weiter heißt:

 

„Überall regt sich Bildung und Streben,

alles will sie (die Sonne) mit Farben beleben;

doch an Blumen fehlt's im Revier.

Sie nimmt geputzte Menschen dafür…
Aus dem hohlen finstern Tor

dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

denn sie sind selber auferstanden...“

 

 

Ja, einen solchen Osterspaziergang wünschen auch wir uns:

draußen einen sonnigen warmen Apriltag, aber auch in unserem Herzen Licht, Wärme und Leichtigkeit; ja ein Herz, das auferstanden ist!

Meisterlich verbindet Goethe das Frühlingserwachen der Natur mit der Botschaft von Ostern.

Er wurde zu seinem Gedicht angeregt von der biblischen Erzählung der beiden - durch den Tod Jesu - traurig gewordenen Jünger, die von Jerusalem nach Emmaus gelaufen sind. Auf dem Wege dorthin begegnen sie dem Auferstandenen.

Es war der erste Osterspaziergang der Geschichte und machte aus den beiden heitere, zuversichtliche und hoffnungsvolle Menschen.

Sie verstanden bei diesem Spaziergang, dass Auferstehung das Ende für alles Leid, das Sterben und alle Vergänglichkeit bedeutet. Sie entdeckten, dass die Macht des Todes - in welcher Form auch immer - außer Kraft gesetzt ist.

 

  

 

Oder wie es praktischer der große Schweizer Theologe Karl Barth ausgedrückt hat:

 

„Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht herumlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.“

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Osterspaziergang - wenn auch erst nach Ostern!

Pfr. Matthias Kämpfer