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Losung und Lehrtext für Donnerstag, 19. Oktober 2017:

HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.
Lebt verwurzelt und gegründet in Jesus Christus und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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November 2010

 

Zeit zum Nachdenken

Liebe Gemeindeglieder!

Vor einigen Jahren war ich für wenige Tage auf der Ferieninsel Teneriffa, wo ewiger Frühling herrscht. In einem Straßencafé  traf ich einen Rentner aus dem Bergischen Land. Wir kamen ins Gespräch und er schwärmte von seinem „Langzeiturlaub“ auf Teneriffa - jedes Jahr von Ende Oktober bis Anfang April. "Stetig  23-26 °C über die ganzen Wintermonate. Während es bei mir zuhause in Wuppertal immer feucht, kalt und neblig ist, besonders im November, scheint hier jeden Tag die Sonne vom Himmel“, wollte er mich begeistern.

Im ersten Moment habe ich ihn beneidet. Auch ich empfinde den November nicht als den angenehmsten Monat. Aber dann habe ich mich bei dem Gedanken ertappt: Ist das nicht doch langweilig - ewiger Frühling? Und ich bin ins Nachdenken gekommen über den November, wie wir ihn bei uns erleben.

Nach meiner Erfahrung bietet er Chancen, mir selbst und auch Gott in einer ganz besonderen Weise zu begegnen.Die ersten drei Wochen im November haben darum ganz wichtige Gedenktage. Sie konfrontieren uns mit dem, was unser menschliches Leben schuldhaft macht.

  • Am 9. November gedenken wir in der Reichspogromnacht, was Menschen anderen Menschen antun können.
  • Am Volkstrauertag wird uns ein  Spiegel vorgehalten, wohin Krieg und Gewalt führen können.
  • Der Buß- und Bettag lädt uns zum Umdenken und zur Umkehr ein.

Schuldig werden, zum Bösen fähig sein gehören scheinbar von Anbeginn zum menschlichen Leben. Uns fällt es nicht immer leicht, dies einzugestehen. Lieber verdrängen oder leugnen wir es. Aber es tut „schmerzhaft“ gut, sich bewusst zu machen, dass der Mensch auch zu Schuld, Gewalt und Bösem fähig ist - sich selbst und auch anderen gegenüber.

"Und sie wollten sein wie Gott", erzählt die Bibel in ihren Anfängen. Menschliche Überheblichkeit, Hybris, Anmaßung gefährden unser eigenes Menschsein von Anfang an - und damit auch das Menschsein unseres Nächsten. Und wieviel Leid und Tod haben all die selbst ernannten Götter über ihre Mitmenschen gebracht? Vor allem die politischen Gedenktage erinnern daran.

Wenn Gott Gott bleibt und der Mensch Mensch - dann hat  Menschlichkeit und Humanität eine Chance! Bei uns selbst und bei anderen! Nutzen wir die  Wochen des Novembers zum Nachdenken und auch zum Widerstand gegen Gewalt, Unmenschlichkeit und Anmaßung!

Eine gute Zeit,
Matthias Kämpfer, Pfr.