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Losung und Lehrtext für Donnerstag, 19. Oktober 2017:

HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.
Lebt verwurzelt und gegründet in Jesus Christus und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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Dezember 2011

 

Stille - eine Herausforderung für Seele und Glaube

In biblischen Worten stehen sich oft zwei gegensätzliche Themen gegenüber: Trost und Ermahnung, Zuspruch und Aufforderung, Evangelium und Gesetz. In Predigten und Bibelauslegungen geht es oft um dieses Wort Gottes: Um den Trost, den unsere Herzen suchen. Und um die Ermahnung, unser Miteinander in Liebe zu gestalten.

Jede Zeit, jede Stunde hat ihre Predigt. In Zeiten von Trauer und Angst wird Trost gepredigt. In Stunden der Ruhe und der Besinnung wird Ermahnung gepredigt. Ein Wort vom Propheten Sacharja bietet unvermutet beides.

Gott spricht:
Ich will euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt.
 Fürchtet euch nicht und stärkt eure Hände.

                                                                  Die Bibel. Sacharja 8,13

Zunächst hören wir den Trost. Gott wird Lösung bringen. Die Lösung von dem, was uns bedrängt. Was uns lähmt, was uns ohnmächtig macht. Gott wird die Fesseln lösen, die unsere Herzen gefangen halten. An Weihnachten werden wir die Geburt dieses Erlösers feiern. In Jesus Christus erscheint schließlich Gott als unser Erlöser mitten unter uns. Der Erlöser von Schuld, die das Miteinander lähmt. Der Erlöser von Einsamkeit, die bedrängt. Der Erlöser von Angst, die uns klein macht.

Gott spricht:
Ich will euch erlösen.
Fürchtet euch nicht.

Das sind die tröstlichen Worte, die wir in den Tagen des Advents hören. Gerade im Advent und später zur Weihnachtszeit sind wir empfänglich für Trost. In dieser Zeit bemühen wir uns, dass es behaglich, harmonisch wird. Wir wollen Zeit haben, wollen nach allem Trubel des Jahres zur Ruhe, zur Stille kommen. Diese Stille – ich erlebe sie auch als Herausforderung. Denn wo die äußere Welt schweigt, da beginnt das Herz zu reden. Da stehen Erinnerungen auf, kommen Gespräche wieder. Da erwacht der Schmerz. Wir kommen wirklich erst zur Ruhe, zur ersehnten Stille dieser Zeit, wenn ein tröstliches Bild vor der Seele steht. Und das sind z.B. die Worte des Propheten Sacharja:

Gott spricht:
Ich will euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt.
 Fürchtet euch nicht und stärkt eure Hände.

Gott wird uns erlösen von all dem, was in der Seele lärmt, was uns hindert, Weihnachten werden zu lassen. Ein tröstlicher Text. Aber die prophetischen Worte gehen weiter. Wir werden aufgefordert: Seid ein Segen. Wendet euch anderen Menschen in Liebe zu, seid ihnen nah, wenn sie weinen, helft ihnen ins Leben, sprecht ihnen die Nähe Gottes zu. Wir werden aufgefordert: Stärkt eure Hände. Werdet aktiv. Geht hinaus auf die Straßen, packt mit an, helft anderen mit Tat und Rat.

Es tut gut, dass uns sein Trost erreicht. Und es ist für unser Miteinander wichtig, immer wieder an die liebende Tat erinnert zu werden. Aber es ist für mich noch etwas anderes, was mir diese Worte des Propheten so wertvoll macht. Es ist die Reihenfolge, in der wir hier beim Propheten Sacharja Trost und Ermahnung hören. Zuerst kommt Gott auf uns zu – nimmt uns mit dem Versprechen seiner Nähe gleichsam in den Arm, auf dass wir dann den Weg zu anderen finden. Auf dass sich unser Herz, unser Blick weitet für andere.

Diese Reihenfolge ist wichtig für unser Leben – für jeden einzelnen, für unser Miteinander. Nur wenn ich selbst Trost erfahre, kann ich auch Trost weitergeben. Nur wenn ich einen liebevollen, einen annehmenden Blick auf mein eigenes Leben richten kann, werde ich auch die Schritte der anderen in der Weite der Liebe verstehen und annehmen. Nur wenn mein Herz gestärkt worden ist, kann meinen Händen eine Kraft zuwachsen, auf dass sie handeln, helfen, heilen, halten.

Beides – Trost und Ermahnung, beides gehört untrennbar zusammen. So wie es uns das Wort vom Propheten Sacharja in eindrücklicher Weise vor Augen führt. Der Trost ist der Balsam der Seele. Und nur wenn diese nicht hungert und dürstet, kann sie andere berühren, in Tat und Wort. 

Gott spricht:
Ich will euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt.
 Fürchtet euch nicht und stärkt eure Hände.

Mögen wir daher in den Gottesdiensten, in unserem Miteinander in der Gemeinde gerade jetzt in den Tagen des Advents immer beides zu gleichen Teilen erfahren – je nach dem, wonach wir uns sehnen, je nach dem, was für unser Miteinander stärkend ist, auf dass unsere Hände furchtlos unserem getrösteten Herzen folgen lernen.
 

Angela Lehmann, 12/2011