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Losung und Lehrtext für Donnerstag, 19. Oktober 2017:

HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.
Lebt verwurzelt und gegründet in Jesus Christus und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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Juli 2012

 

Meine rissige Zisterne des Glaubens über Jeremia 2,13


Auf jeder Mineralwasserflasche können wir es lesen: Den Hinweis auf die Quelle, aus der das Wasser stammt. An der Quelle sprudelt das Wasser aus dem Erdinneren mit Kraft an die Oberfläche: Klares Wasser für uns Menschen, das erfrischt und belebt. Natürliches Wasser, angereichert mit lebensnotwendigen Mineralien. Wie gut und wichtig, dass es diese Quellen gibt und sie nicht versiegen!

In der Bibel können wir es lesen: Gott selbst ist wie eine Quelle: Bei ihm sprudelt das Leben mit Kraft in die Welt. Er selbst ist es, der meinem Leben Kraft schenkt. Bei ihm erfahre ich eine Erfrischung meines Lebens. Er belebt mein Leben neu. Seine Nähe, sein Segen reichert mein Leben an – mit lebensnotwendigen Beziehungen, mit lebensbejahendem Mut. Wie gut, dass es ihn gibt und seine Kraft nicht versiegt! 
 

Gott ist traurig über sein Volk: 
Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen,
die doch rissig sind und kein Wasser geben.
Die Bibel. Jeremia 2,13

 

Ich, die keine Wasserquelle besitze, die ich keinen direkten Zugang zu einer Mineralquelle habe, muss mich mit Vorratshaltung abgeben. Flaschen, Kästen sind zu schleppen, um immer ausreichend Wasser zu haben.

Zu jeder Zeit war das eine Aufgabe des Menschen: Vorratshaltung für das lebensnotwenige Nass. Menschen bauten zur Zeit des Propheten Jeremia im 6. Jahrhundert v.Chr. kleine Gruben, sogenannte Zisternen, mit denen sie das Regenwasser auffingen. Lange Wege zur Quelle, anstrengende Schlepperei erübrigten sich.
 

Gott ist traurig über sein Volk: 
Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen,
die doch rissig sind und kein Wasser geben.

 

Ich, die nicht selbst die Quelle meines Lebens bin, habe im Laufe der Tage meines Lebens begonnen, mich mit der Nähe Gottes zu bevorraten: Ich habe da eine Zisterne meines Glaubens gebaut. Ich habe mir da Dinge scheinbar greifbar zurückgelegt und abgelegt ... biblische Geschichten, die mir in Kindheitstagen mein Vertrauen auf den lieben Gott genährt haben; Gebete, die ich mit Zuversicht und Vertrauen gebetet habe; erfüllte Erfahrungen der Nähe Gottes in glücklichen Zeiten und anderes mehr. All dies liegt in meiner Zisterne. Ich meine sie sicher verwahrt zu wissen, für die Momente, wo ich sie brauche wie das lebensnotwenige Wasser. Ich habe dann Zugang zu diesen Momenten meines Glaubens, kann dann mein Leben und meinen Glauben damit erfrischen. Ich kann dann zugreifen auf Gottes Kraft, die ich bereits im Leben gespürt habe.

Doch Gott ist da anderer Meinung. Gott ist da traurig, dass ich ihn als die Quelle nicht ernst nehme. Gott versteht nicht, warum ich die Konserven meines Glaubens der lebendigen Quelle des Glaubens vorziehe. Gott ist traurig, dass ich die konservierten Momente meines Vertrauens zu ihm zur Seite lege und für Krisenzeiten aufbewahre.


Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen,
die doch rissig sind und kein Wasser geben.

 

Denn das ist mein Irrtum! Meine Zisterne ist rissig. Meine Vorräte an Glaubenswasser, an Glaubenskraft versickern nach und nach. Meine Erinnerungen an die Nähe Gottes verblassen, werden schal. Mein Vertrauen an Gott staubt ein – anderes legt sich darüber und lässt meinen Glauben alt aussehen. All das, was ich da zur Seite in die Zisterne meines Glaubens gelegt habe, wird mir kein Wasser, wird mir keine Kraft, keine Erfrischung geben können, da ich die eigentliche Quelle – nämlich Gott verlassen habe.

Aber was heißt das? Wo ist diese Quelle meines Lebens, meines Glaubens? Welchen Weg kann ich da gehen, um besser frische Kraft zu bekommen, als einer vergangenen Kraft hinterher zu trauern?

Gott, die Quelle meines Lebens, hat vielfältige Formen: Das Gebet, in Hoch-zeiten des Lebens gesprochen, in den Krisen-zeiten des Lebens geschrien – eine lebendige Quelle der Kraft zum Leben. Der Gottesdienst, ein Miteinander mit anderen Glaubenden und Zweiflern, die sich an die Quelle erinnern und sie in ihrer Mitte feiern. Das Lesen der Bibel, das unserem Glauben das nötige Staunen schenkt. Das Abendmahl, da kann ich von der Quelle kosten – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Gespräch, das ermutigt – mit anderen, die Gott mir zur Seite stellt. Meine Liebe zum Nächsten, die mich nicht verbraucht, sondern mir die Weite des Lebens erahnen lässt.

 

Gott ist traurig über sein Volk: 
Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen,
die doch rissig sind und kein Wasser geben.

 

Mögen wir Gottes Traurigkeit ernst nehmen: Mögen wir einsehen, dass unsere Zisternen des Glaubens letztendlich ihren Nutzen nicht erfüllen – in der Krise des Lebens werden sie nutzlos sein. Mögen wir stattdessen seine Quelle nutzen, die er jedem von uns kostenfrei, zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung stellt. Machen wir regen Gebrauch davon! Mögen wir uns den Weg zur Quelle vertraut machen, so dass wir ihn auch in dunklen Zeiten finden können. Nicht immer ist das Aufsuchen der Quelle einfach. Nicht immer ist dieses Nutzen der Quelle bequem. Es ist durchaus auch anstregend ... aber letztendlich die einzige Möglichkeit, Kraft und Mut für das Leben immer wieder neu zu bekommen. Und: Diese Quelle wird nicht versiegen! 

Angela Lehmann 07/2012