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Losung und Lehrtext für Mittwoch, 13. Dezember 2017:

Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen.
Bewahre das kostbare, dir anvertraute Gut in der Kraft des heiligen Geistes, der in uns wohnt.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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März 2012

 

Es bleibt alles anders?!
„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.“


So erlebe ich dies. In meinem Alltag zwischen Beruf und Familie. Im Rückblick war es doch früher anders, oder nicht? Ich hatte als Kind Respekt vor meinen Eltern. Wir hatten Achtung vor dem, was die Eltern sich erarbeiteten und uns ermöglichten. Da brachte ich ihnen doch Wertschätzung entgegen. 


So höre ich dies. In Gesprächen in der Gemeinde, im Austausch mit Freunden. Im Rückblick war es doch früher anders, oder nicht? Da waren wir zufriedener. Da erlebten wir eine Freundschaft, die Neid und Verletzlichkeit nicht kannte. Da waren wir nicht so erschöpft von Arbeit und Aufgaben.


Und die Gegenwart? Wie leide ich darunter, wie unachtsam und gedankenlos wir miteinander umgehen: Eltern mit Kindern, Frauen mit Männern, Mitarbeiter in Gemeinde, als Nachbarn von nebenan. Da sehe ich, wie die Unzufriedenheit tiefe Spuren in den Gesichtern der Menschen hinterlässt. Da erlebe ich, dass der Neid das Miteinander zerfrisst. Da begegne ich Menschen, die unter ihrer Arbeit zusammenbrechen. Scheinbar hat sich viel verändert, zum Schlechteren!?


Du bist mein Gott.
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Die Bibel. Psalm 31, 15-16a

 

So sagt es ein Beter aus den Psalmen. Tröstliche Worte, die mir da entgegen kommen. Dieser Gott ist mein Gott. Ein Gott, der meine Klage hört. Ein Gott, der meine Traurigkeit spürt. Ein Gott, der meine Unzufriedenheit, meine Enttäuschungen erlebt. Und daher:
 

Du bist mein Gott.
Meine Zeit steht in deinen Händen.

 

Es ist mein Gott, der in meiner Zeit steht. Er weiß darum, was sie auszeichnet. Gott ist mit in meiner Zeit: mit meinem Unverständnis über so manches Verhalten von Kindern (und Erwachsenen), mit meiner Traurigkeit über unser gedankenloses Umgehen miteinander und mit meiner Hilflosigkeit angesichts überforderter, überarbeiteter Menschen. Aber diese Zeit, die doch scheinbar „schlechter“ ist als die vergangenen Zeiten, steht in seinen Händen. In den Händen des allmächtigen Gottes, die verändern. Hände, die handeln. Die tragen. Die stützen. Da will ich vertrauen, dass er mir Geduld schenkt mit kleckernden Kindern und widersprechenden Erwachsenen. Da will ich vertrauen, dass er uns Mut schenkt, neue Wege im Miteinander zu wagen, auf denen wir einander auf Augenhöhe begegnen. Da will ich vertrauen, dass mein Gott Räume und Zeiten schenkt, in denen Menschen Luft zum Leben atmen können.


Ja, möge mein Gott mir in meiner Zeit mit all ihren Herausforderungen Gelassenheit schenken, diese zu leben, zu gestalten und in seiner Liebe zu verändern. Auf dass ich Zufriedenheit in dieser, meiner Zeit spüre – und nicht nur in zurückliegenden, vergangenen „besseren“ Zeiten. Auch wenn wir durchaus immer wieder scheinbar feststellen müssen: 


„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.“


So schrieb das übrigens der griechische Philosoph Sokrates (470-399 v.Chr.)
 

Angela Lehmann 03/2012