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Losung und Lehrtext für Mittwoch, 13. Dezember 2017:

Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen.
Bewahre das kostbare, dir anvertraute Gut in der Kraft des heiligen Geistes, der in uns wohnt.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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November 2012

 

Abschied nehmen - eine Aufgabe für das Leben über Offenbarung 21,1ff

 

Der November ist ein Monat des Abschiednehmens. Bevor wir den Advent mit seinen Kerzen und seinem hellen, verheißungsvollen Schein begrüßen, erinnern wir uns in diesen Tagen des Novembers an die Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres. So manches Mal standen wir in diesem Jahr an den Gräbern auf dem Friedhof. Ungefragt. In Trauer bewegt. Oft in Ohnmacht gelähmt. Durchaus auch mit widersprüchlichen Gefühlen zwischen Wut, Traurigkeit und doch auch Dankbarkeit.

Und dieses Abschiednehmen ist so unterschiedlich wie wir Menschen. Abschiednehmen ist ein Suchen: Nach Orten und Zeiten für meine Tränen. Abschiednehmen ist ein Erinnern: Ein Foto. Ein Brief. Ein Gespräch. Ein Berühren. Abschiednehmen ist ein Sehnen nach Nähe: Die Nähe anderer Menschen in Worten und Gesten. Abschiednehmen ist ein Verstehenlernen: Das Begreifen, dass ein Stuhl für immer leer bleiben wird. Abschiednehmen ist ein Hoffen: Ein Hoffen, dass der Verstorbene geborgen ist bei Gott. Ein Hoffen, dass ich selbst von Gottes bergender Liebe umgeben bin – die mich trägt in den Stunden des Schmerzes. Und Abschiednehmen heißt auch: Zwei Schritte vor und einen zurück. Es gibt Momente, in denen der Weg zurück ins Leben gelingt. Es gibt Momente, in denen Tränen die Sicht aufs Leben verschleiern.

Was kann uns in unseren Abschieden stärken, auf diesem vertrauten, fremden Weg? Was schenkt uns Zuversicht, das Leben nicht zu verlieren, wenn wir in Liebe und Schmerz – beides zugleich, am sogenannten Totensonntag unserer Verstorbenen gedenken?

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.
Die Bibel. Offenbarung 21, 1ff

Ein tröstliches Wort: Ich höre von einem Gott, der um meine Vergangenheit und Gegenwart weiß – meine Gegenwart, die durchaus noch mehr ein Suchen als ein Finden, noch mehr ein Sehnen als ein Spüren ist. Gott sieht meine Tränen. Er weiß um den Schmerz, den ein Abschied mit sich bringt. Und Gott sieht weiter als ich es in Trauer kann.

Und der auf dem Thron saß, sprach:
Siehe, ich mache alles neu!

Ein ermutigendes Wort: Nicht allein an mir liegt es, ob ich den Weg des Abschiedes zurück ins Leben finde, zu dem Gott mich bestimmt hat. Nicht ich allein, sondern Gott mit mir. Gott kommt mir entgegen. Er lässt mir Kraft zuwachsen. Gott wird Schatten lichten. Gott wird mir einen Weg zeigen. Gott wird Schritte beflügeln – wahrhaftig und gewiss.

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen,
und sie werden sein Volk sein. 

Ein stärkendes Wort: Gott ist an unserer Seite, nicht fern im Himmel. Die kommenden Tage des Advents und die Worte der Weihnacht werden uns davon erzählen. Diese heilsame Zukunft berührt uns im sanften Licht der Auferstehung am Ostermorgen: Gott steigt von seinem Thron. Er wird Mensch. Einer von uns. Seine Hütte wird bei uns stehen. Er wird mit uns wohnen – in Jesus wird er unseren Alltag teilen. An Jesu Seite geht er mit uns in den Tod, ja, durch den Tod hindurch.

Abschiednehmen ist eine Aufgabe für das Leben. Und Gott tut da mit uns: Er ist unser Gott im Suchen und Erinnern, im Sehnen und Verstehen lernen. Er ist an unserer Seite bei den Schritten nach vorn und beim Schritt zurück. Nicht wir allein, sondern Gott mit uns - wagen wir es, darauf zu vertrauen: Denn dies ist der Weg ins Leben.

Gott befohlen, Ihre Angela Lehmann, Pfrin.