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Losung und Lehrtext für Mittwoch, 13. Dezember 2017:

Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen.
Bewahre das kostbare, dir anvertraute Gut in der Kraft des heiligen Geistes, der in uns wohnt.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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Gelegenheit, sich zu besinnen

 

„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich" (Lukas 18,27).

So lautet die Antwort Jesu auf die Frage der Jünger, wer selig werden kann. Nicht dem Menschen, Gott allein steht es offen, uns Menschen selig zu machen. Auch hier zeigt es sich, dass Gott allmächtig, die Macht des Menschen im Großen wie im Kleinen dagegen oft begrenzt ist.  

Vor uns liegt die Passionszeit: Jesus geht seinen Leidensweg bis ans Kreuz. Um beim Wortpaar „unmöglich" und „möglich" zu bleiben: Jesu Art zu lehren und zu leben ist seinen Zeitgenossen in vielerlei Hinsicht „unmöglich" vorgekommen: Jesus hatte keinerlei Scheu, die Nähe von Menschen jeder Couleur zu suchen – auch und gerade zu denen, die in der Gesellschaft verachtet oder zumindest verdächtig waren: geistig und körperlich Kranke, soziale Außenseiter und Ausgegrenzte. Dass er sie heilte oder nur Gemeinschaft mit ihnen suchte, war für Jesus Ausdruck der allen Menschen geltenden Liebe Gottes, ein Zeichen dafür, dass Gottes Reich nun angebrochen ist. Selbst die Jünger Jesu mussten erst lernen, was für ihren Meister offenbar möglich und nötig war.

Doch auch ihr Verständnis stieß an Grenzen – spätestens als Jesus von seinem nahen Sterben sprach. Das musste seinen Jüngern als Unmöglichkeit vorkommen: Hatte Jesus nicht in vielerlei Weise seine unbegrenzte Macht und damit unmittelbare Nähe zu Gott demonstriert? Sollte es tatsächlich möglich sein, dass er sich nun der Macht und Gewalt der Menschen aussetzte und sich ohne Gegenwehr in den Tod begab, ja, dass dies nach Jesu Worten sogar so sein musste?

Die Passionszeit ist eine gute Gelegenheit, sich zu besinnen. Dazu gehört auch zu bedenken, welche Vorstellung, ja welches Bild wir von Gott haben: Sollte Gott für uns nur für das „Schöne, Gute, Wahre" in dieser Welt, für Harmonie und Allmacht stehen? Dann wird es auch uns schwerfallen, geistlich den Leidensweg Jesu mitzugehen. Tatsächlich eröffnet uns dieser Leidensweg neue Perspektiven: Wir erleben den Gott, der aus Liebe die Ohnmacht, das Leiden dieser Welt und der Menschheit teilt – bis zum Tod. Wer meint, damit seien auch alle göttlichen Möglichkeiten ans Ende gekommen, der irrt: Was Menschen unmöglich ist – nämlich aus dem Tod neues Leben zu erwecken –, das ist Gott möglich. Die Passionszeit führt zum Karfreitag, doch von ihm schließlich zum Osterfest, zur Auferstehung des auf ewig totgeglaubten Christus. Aus dem Dunkel wird so Licht – auch für unser Leben.

 Pfarrer Karl Waldeck