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Losung und Lehrtext für Donnerstag, 19. Oktober 2017:

HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.
Lebt verwurzelt und gegründet in Jesus Christus und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.
 
(c) Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6, 2)

 

Als Jugendlicher hatte ich eine kleine Gideon-Bibel. In der las ich gerne und strich mir Worte an, die mir gefielen. Das Wort des Apostels Paulus aus dem Galaterbrief war ein solches Wort, das mir gefiel: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6, 2) Es klang für mich so praktisch und verständlich. Es brachte mir auf einfache Weise nahe, was es bedeutet, christlich, d. h. im Sinne Jesu, miteinander zu leben. Es schärfte zugleich meine Wahrnehmung für die „Lasten“, die Menschen zu tragen haben.

Auch in unserer Borkener Gemeinde haben wir in der diakonischen Arbeit einen Blick dafür entwickelt. Wir versuchen hinzusehen und zu erkennen, wo Menschen belastet sind und unsere Hilfe brauchen. Mit unterschiedlichen Diensten und Angeboten wollen wir Lasten abnehmen oder ein Stück mittragen. Es gibt die Last der Einsamkeit, die Last des Alters, der Krankheit und die Last der Armut. Manchen Kindern fällt es schwer, in der Schule mitzukommen. Um einige von ihnen kümmert sich bspw. die Hausaufgabenbetreuung unserer Gemeinde.

Es ist das Markenzeichen einer christlichen Gemeinde, dass hier Menschen gegenseitig tragen helfen, was sie beschwert. Nach einer Reihe von Ermahnungen, die auf einen respektvollen und liebevollen Umgang miteinander zielen, bringt Paulus hier im Galaterbrief diesen Satz. Und ich glaube, wir dürfen ihn ruhig auch ganz wörtlich nehmen. Christliches Leben zeichnet sich dadurch aus, dass ich bereit bin, die Lasten anderer zu tragen. Und das wird man dann durchaus auch körperlich spüren.

Jemand hat mal gesagt: Wer christlich lebt, kriegt lange Arme! Dabei denke ich an den Mitarbeiter in der Diakonie während meiner Zeit in Kaliningrad. Der ist über Stunden in weit entlegene Gegenden im ehemaligen Ostpreußen gefahren und hat den Menschen gebrauchte Kleidung und Möbel gebracht. Er hat den Gemeindegliedern aber auch ganz praktisch geholfen. Bspw. hat er dem alten Ehepaar schon mal den Garten auf der Dadscha umgegraben, weil die’s nicht mehr konnten, oder er hat die Äpfel gepflückt. Oder unser Zivi, wie er zusammen mit dem Pflegedienst die kranken Menschen mehrmals am Tag umgebettet hat. Das ging schon auch ins Kreuz, sagte der junge Mann. Oder er hat für sie eingekauft und alles in den fünften Stock getragen. Und wenn die Taschen schwer waren, hat er sicher manchmal gestöhnt und gedacht: Ja, wer christlich lebt, kriegt lange Arme!

Christen sind also Menschen mit langen Armen? Nein, natürlich nicht, aber Christen sind Menschen, die Lasten anderer tragen. So erfüllen sie das Gesetz Christi, das die Liebe zum Nächsten ist. Und es gibt Situationen und Nöte, da kann man den von Sorgen Geplagten ganz praktisch unter die Arme greifen. Da kann die Last wirklich ein Stück weit abgenommen werden. Und sei es nur der Kasten Sprudel, den ich für jemanden schleppe.

Und interessanterweise höre ich oft, dass die, die helfen, selbst auch einen Gewinn davon haben. „Ich bekomme auch viel zurück, wenn ich anderen helfe, sie besuche, für sie da bin!“ In einem schönen Lied aus dem Gesangbuch wird dieser Gedanke aufgegriffen, wenn es da heißt: „Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt, ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt.“ (EG 632, 3)

 

Jochen Löber